Wie Sie als kleiner Reiseanbieter im Internet sichtbarer werden

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Gerade kleine Reiseanbieter zeigen oft noch die Website-Struktur der ersten Generation: Homepage – Unsere Angebote – Wir über uns. Damit liegen sie auf den hinteren Plätzen. Eine themenfokussierte Ausrichtung hilft sichtbarer zu werden.

Ein großer Teil der Reiseanbieter strukturiert sein Internetangebot so: Es gibt eine zentrale Website mit dem Namen des Unternehmens und in den Unterverzeichnissen stehen die Reiseangebote. In der Regel folgt der Aufbau der Site dem eines gedruckten Katalogs.

Um im Internet erfolgreich erfolgreich zu werden, muss diese katalog-analoge und auf das Unternehmen fixierte Sichtweise zugunsten einer Themenorientierung aufgelöst werden.

Mit einer Veränderung der Betrachtungsperspektive erreichen Sie, dass die einzelnen Angebote, beziehungsweise die Angebotsgruppen, eine Eigenständigkeit bekommen. Die “Freistellung” des Angebots macht den Blick frei für zielgerichtete Maßnahmen.

Waren vorher “Wandern” oder “Wellness” ein Thema unter vielen, das entsprechend subsummarisch beworben wurde, so rückt jetzt das Spezifische in den Mittelpunkt.

Spezifisch bedeutet in der Regel, dass durch die Konzentration ein Thema relevant wird. Relevanz wiederum ist das entscheidende Kriterium, wenn Sie Aufmerksamkeitshürden überspringen wollen.

Kleines Brevier für Reiseanbieter im Internet nebst einem praktischen Beispiel

1. Identifizieren Sie Ihre Hauptangebote, die Sie bewerben wollen

Handelt es sich bei Ihren Hauptangeboten um regionalspezifische oder um besondere Freizeitaktivitäten? Vielleicht ist für Sie auch eine Klassifizierung mit beiden Merkmalen sinnvoll.

Zum Beispiel:

** Regionen/Orte
Toskana
Umbrien
Städtereisen Italien
(…)

** Aktivitäten
Wandern
Radfahren
Mountainbiking
Trekking
(…)

** Aktivitäten + Regionen
Reiterferien in Deutschland
Reiterferien in Österreich
Reiterferien in Ungarn
(…)

2. Weisen Sie jedem Angebot, das suchrelevant ist, einen eigenen Bereich zu

Stellen Sie sich dabei vor, dass Ihre Angebote “Toskana” oder “Radfahren” zu Profit-Centern umgebaut werden.

Vorteil dieser Denkweise ist, dass Sie für jedes Profit-Center spezifische Marketingmaßnahmen installieren. Sie werden Ihr Toskana-Angebot anders als Ihr Radtouren-Angebot vermarkten.

Das zeigt sich anhand von Linkstrategien, spezifischen Informationen und Zusatzleistungen. Das eigene Angebot wird auf einer sogenannten Microsite präsentiert. Organisatorisch gesehen ist es ein Angebot, das aus einer oder mehreren Seiten zu einem Angebot besteht.

Technisch gelöst werden kann das über sogenannte Subdomains nach dem Muster toskana-wandern.mein-reiseunternehmen.de oder unter einer eigenen Domain.

Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass der Besucher alle relevanten Informationen innerhalb der Microsite erhält.

Die Microsite, also im besten Fall eine Verbindung von mehreren Seiten zu einem Thema, spiegelt Ihr Bestreben wider, dass jede Angebotsgruppe für sich eine eigene Wichtigkeit besitzt.

3. Schreiben Sie besucher- und suchmaschinen-relevant

Vier Strategien sind für Sie von zentraler Bedeutung, wenn Sie mit anderen Unternehmen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit im Internet stehen:

a) Suchmaschinen-Marketing durch Textrelevanz

Auf der Startseite einer Microsite sollten Sie jeweils einen Text haben, der über die wechselnden Angebote hinaus Bestand haben wird.

Besonders in den ersten Zeilen liefern Sie Suchenden und Besuchern Entscheidungsgrpünde, warum er oder sie die (Micro-) Site genauer ansehen sollte.

b) bezahlte Aufmerksamkeit

Anzeigen in Suchmaschinen aber auch Newsletter-Anzeigen, gegebenenfalls Stand-alone Mails sind eine (zusätzliche) Möglichkeit, neue Interessenten zu bekommen.

Mehr dazu finden Sie hier:

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c) Link-Strategien

Eingehende Links

  • Suchen Sie Linkpartner, die möglichst höher ranken.
  • Seien Sie bei der Auswahl wählerisch. Vermeiden Sie Linkfarmen, also Websites, die eine ungeheuer große Zahl an Links zu allem und jedem enthalten.

Interne Links

Bei den internen Links achten Sie darauf, o dass zentrale Suchworte mit einem Hyperlink versehen werden o dass zentrale Suchworte eigene, optimierte Seiten bekommen

Ausgehende Links

Ausgehende Links sollten sehr spezifisch ausgewählt werden und sich auf Sachverhalte im Einführungstext beziehen.

d) Public Relations

Öffentlichkeitsarbeit ist mehr als Pressemitteilungen an Medien zu schicken. Nehmen Sie sich zum Beispiel einmal Newsletter vor. Welche Newsletter eignen sich, ein eigenes Angebot zu platzieren? Damit ist keine platte Produktwerbung gemeint. Bewerben Sie doch einmal eine virtuelle Wanderung, bei der der Leser im Abstand von ein paar Tagen einen Erlebnisbericht erhält.

Mehr zu Public Relations

 

4. Machen Sie Besucher zu Interessenten

Jeder irgendwie interessierte Besucher, der Ihre Website verläßt, ohne Ihnen seine E-Mail zu hinterlassen, ist für Sie ein verlorener Kunde. Wenngleich nicht jeder Interessent, von dem Sie eine E-Mail-Adresse haben, ein Kunde wird.

Doch die Gewinnung einer E-Mail-Adresse bedeutet, dass diese Person relevanter für Ihre Marketingaktionen ist, als ein anonymer Surfer. Er hat sich als “irgendwie interessiert” von den den Nicht-Interessierten profiliert.

Damit Sie einen regelmäßigen und regulären Kontakt zu einem Interessenten herstellen zu dürfen, benötigen Sie zum einen explizite Erlaubnis, zum anderen müssen Sie einen guten Grund liefern, warum der Interessent Ihnen seine E-Mail-Adresse geben sollte. Angesichts übervoller E-Mail-Postfächer ist das Angebot eines Newsletter allein kein gutes Argument.

5. Halten Sie zu Ihren Kunden Kontakt

Logisch, wer einmal bei Ihnen Kunde war, ist eher geneigt, wieder mit Ihnen zu reisen. Ein Kunde erwartet allerdings auch etwas mehr als nur den Jahresprospekt.

E-Mail ist eine gute Möglichkeit, persönlich und auf die Kundeninteressen zugeschnittene Informationen zu versenden. Viele Unternehmen verlieren gerade hier ehemalige Kunden, weil sie sich zu wenig um diese kümmern.

Ein zufriedener Kunde empfiehlt Sie gerne weiter. Die Weiterempfehlung kann man durch verschiedene Maßnahmen fördern und unterstützen. Auch hier sind Werbegelder in der Regel gut angelegt.

6. Praktisches Beispiel für eine Microsite Toskana-Wandern

Zum Abschluss des Breviers ein Beispiel für die Vermarktung eines Angebots. Nehmen wir an, ein Reiseanbieter hat als einen Angebotsschwerpunkt Wandern in der Toskana.

Wir wählen zur Vermarktung der Microsite eine Subdomain:
toskana-wandern.mein-reiseunternehmen.de

Erste Seite (Homepage)

Hier beginnen wir mit einem Einführungstext über Wandern in der Toskana, der entscheidungs- und suchmaschinenrelevant ist.

Das heißt, in den ersten zwei Zeilen steht ein Text, der in den Suchmaschinen erscheint und die “richtigen” Suchende zum Klicken animiert. Damit ist ein Text gemeint, der in knappen Worten das Angebot umschreibt, etwa so:

Toskana-Wandern: Infos zu unseren Wander-Angeboten, Reisetagebuch, virtuelle Wanderungen, Benachrichtigungs- Service, Ausrüstung, Toskana-Shop

Suchmaschinenrelevant (und natürlich auch besucherrelevant) ist der Text, wenn es zum Thema ausreichend Informationen gibt. Dabei sollten die zentralen Suchbegriffe auf einer Seite einen Anteil zwischen 2 und 7 Prozent am sichtbaren Gesamttext haben.

Dieser Text sollte so beschaffen sein, dass er unabhängig von konkreten, aktuellen Urlaubsangeboten stets verfügbar ist.

Auf der Microsite wird der Bogen gespannt von pragmatischen über atmosphärische und service-orientierte bis zu explizit verkäuferischen Angeboten.

Ein Beispielsangebot:

  • Aktuelle Angebote. Eine Vorschau auf die im nächsten Vierteljahr (oder im ganzen Jahr) stattfindenen Veranstaltungen.
  • Benachrichtungsservice für aktuelle Angebote. Dieser Service ist ein automatisierter Dienst, der in einem angemessenen Zeitraum vor einer Veranstaltung eine kurze Ankündigung per E- Mail schickt. Der Terminservice ist eben nur das: Ankündigung plus Möglichkeit, mehr Infos anzufordern.
  • Reisetagebuch mit Bildern zum Download, inklusive Kurzinfos zu Reisen und Formularen zum Anmelden oder Anfordern weiterer Infos.
  • Toskana-Wandern. Jahresprogramm mit Anmeldeformular, AGB etc. direkt zum Herunterladen.
  • Virtuelle Wanderung durch die Toskana. Per E-Mail erhält der Interessent alle paar Tage automatisch eine kleine Etappenbeschreibung einer Wanderung.
  • Tipps zur Wanderausrüstung. Nicht alle Interessenten sind erfahrene Wanderer. Hier erfahren sie, was notwendig und was wünschenswert ist. Ein Verweis auf konkrete Einkaufsmöglichkeiten rundet diesen Service ab.
  • Webcams aus der Region. Diese liefern aktuelle Bilder und bieten einen authentischen Einblick in die Situation vor Ort.
  • Wetterdienst für die Toskana. Ein Service, der ebenfalls für das Atmosphärische sorgt.
  • Italienisch für Urlauber. Ein Sprach-Kurs, der in 5-6 kurzen Lektionen die wichtigsten Redewendungen bereitstellt.
  • Shop. Hier werden toskanische Spezialitäten von Wein über Olivenöl bis Wurst angeboten. Bücher und CDs runden das Angebot ab.
  • Shop 2: Zweckmäßiges Zubehör wie Wanderschuhe, Bekleidung oder Rucksäcke wird ebenso angeboten.

Selbstverständlich werden nicht alle Angebote vom Anbieter selbst betrieben. Kooperationen mit Feinkost-, Buchhändlern, Reiseausrüstern und Sprachführer-Anbietern sind erstrebenswert.

Sicherlich werden die Kooperationen nur kleine Provisionen erwirtschaften. Aber die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern kann durchaus synergetisch wirken.

So können Sie mit den italienischen Feinkosthändler um die Ecke eine gemeinsame Veranstaltung zur Toskana mit Käse und Wein durchführen und für Ihre Wanderungen werben.

Gut gebrüllt, Löwe! mag der eine oder andere Kleinunternehmer angesichts der Vorschläge denken. “Berater haben gut reden. Weiß der überhaupt, was wir alles machen müssen?” Weiß er.

Ja, das ist für kleine Reiseanbieter eine Menge Arbeit. Aber ist das stille Mißvergnügen, dass “die anderen” mehr vom Kuchen abkriegen, besser?

Ist nicht jeder Euro, der bislang für Marketing verpuffte, und bei gleichbleibender Struktur weiterhin verloren geht, weniger wert als die Investition, die mittelfristig einen Erfolg verspricht?

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